Informationen für Patienten

Informationen für Patienten

  • Lesen Sie bitte zuerst die folgenden Informationen sorgfältig durch!
  • Zahnmaterialien können weitreichende Beschwerden auslösen!
  • Der Auslöser von Allergien kann auch im Zahnmaterial liegen!

Bitte rufen Sie nicht bei uns an! Schicken Sie vorab eine E-Mail, wir rufen Sie gerne zurück.

Wo und wie bekomme ich Hilfe?

Senden Sie eine eMail mit Ihren Daten an: reichl@lmu.de
Geben Sie unbedingt an:
a) Name, Vorname
b) Adresse
c) Telefonnummer (Festnetz auch Handynummer, beste Erreichbarkeit)
d) Kurze (!) Beschreibung Ihrer Beschwerden bzw. Ihrer Symptome.

Ludwig-Maximilians-Universität München LMU
Internationales Beratungszentrum für die Verträglichkeit von Zahnmaterialien BZVZ
Leiter: Univ.-Prof. Dr. Dr. Franz-Xaver Reichl
E-Mail: reichl@lmu.de

Hilfesuchende Patienten erhalten dann schnellstmöglich einen Anruf zur Beratung und/oder Terminierung.

Patienteninformationen

  • Was ist ein verträgliches Zahnmaterial?
  • Wie komme ich als Patient an das verträglichste Zahnmaterial?
  • Kann das Zahnmaterial verantwortlich sein für meine Beschwerden?
  • Alle diese Fragen können detailliert beantwortet werden!

 Grundlagen

Heute ist es möglich für jeden Patienten das verträglichste Zahnmaterial vor einer Zahnrestauration auszuwählen. Es ist auch möglich für jedes einzelne Zahnmaterial, das der Patient derzeit im Mund hat, klar zu sagen, ob es für die aufgetretenen Symptome die Ursache sein kann oder nicht. Hier wird dem Patienten präzise mitgeteilt, welches Zahnmaterial raus muss und welches drinnen belassen werden kann.

Auslösung von Unverträglichkeitsreaktionen/Allergien durch Zahnmaterialien

Es ist zu beobachten, dass bei einer steigenden Anzahl von Patienten nach der Zahnrestauration Nebenwirkungen auftreten. Mittlerweile konnten als Auslöser solcher Reaktionen, die in Zahnmaterialien (z.B. Komposits, Kleber, Adhäsive, Zemente, Prothesen) häufig verwendeten Methacrylate bzw. (Co)Monomere aber auch viele Zahnzusatzstoffe und Metalle (aus Legierungen, Brücken, Kronen) eindeutig identifiziert werden.

Bei den Nebenwirkungen unterscheidet man spezifische („sichtbare“) Symptome, z. B. Hautreaktionen wie Hautekzeme, Hauterytheme, Mundschleimhautveränderungen, Zungenbeläge, lichenoide Reaktionen und Rötungen, sowie unspezifische („nicht sichtbare“) Symptome, die von Durchfällen, Herzrhythmusstörungen, Geschmacksstörungen, Zungenbrennen, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Seh- und Hörstörungen, Gelenkschmerzen über Magen-Darmprobleme, Ermüdung,  Nervosität bis hin zur Depression und allgemeiner Schwäche reichen können.

 Zusammensetzung der Zahnmaterialien

Die genaue Zusammensetzung der Inhaltsstoffe der Zahnmaterialien wird von den Herstellern niemals preisgegeben und in den Datenblätter der Hersteller finden sich auch nur immer wenige Angaben. Warum? Jeder Hersteller hat meist große Forschungsarbeiten unternommen zur optimalen Zusammensetzung seiner Inhaltsstoffe und diese variieren beträchtlich von Hersteller zu Hersteller. Bis zu 30 verschiedene Substanzen können aus einem einzigen Zahnmaterial freigesetzt und über Jahre ausgewaschen werden und dann in den Körper gelangen. Nicht entscheidend ist deshalb, welcher Inhaltsstoff in dem Material ist, sondern welcher Stoff in welcher Menge freigesetzt werden kann. Nur ein freigesetzter Inhaltsstoff kann Beschwerden auslösen. In langjährigen Forschungsstudien wurden die Freisetzungsraten von Inhaltsstoffen aus Zahnmaterialien bestimmt.

Aufgrund der vorhandenen, weltweit einzigen Datenbank zu den freigesetzten Inhaltsstoffen kann dann nach einem Allergie-Testverfahren das verträglichste Zahnmaterial vor der Restauration ausgewählt werden.

Freisetzung von Inhaltsstoffen aus Zahnmaterialien

In unseren Untersuchungen wurden von den folgenden Zahnmaterialien die Freisetzungsraten von Inhaltsstoffen qualitativ und quantitativ mit aufwändigen Analysemethoden bestimmt:

Kompositen, Klebern, Adhäsiven, Wurzelkanalfüllmaterialien, Prothesenmaterialien, Fissurenversiegler, Zementen, Keramiken, Dental-Legierungen, Implantaten, Brackets und Drähten (Retainer) und Knochenaufbaumaterialien. Alle diese Zahnmaterialien sind kommerziell verfügbar und sind nach der Bestellung durch den Zahnarzt, sollte er sie nicht vorrätig haben, innerhalb von 24 Stunden lieferbar.

Durch diese Untersuchungen konnte mittlerweile die weltweit einzige Datenbank zur Freisetzungsrate der Inhaltsstoffe aus diesen Zahnmaterialien aufgebaut werden. Diese Stoffe stellen potente Allergene dar. Alle diese Allergene sind in unserem Zentrum verfügbar.

In Zusammenarbeit mit Kliniken und Instituten an der Ludwig Maximilians Universität München, an der Technischen Universität München und am Helmholtz-Zentrum in Neuherberg/München wurde ein Allergie-Testverfahren entwickelt, zum Nachweis einer evtl. bestehenden Allergie gegenüber Inhaltsstoffen aus Zahnmaterialien.

Patienten dürfen auf keinen Fall ein Zahnmaterial erhalten, aus dem Stoffe freigesetzt werden können, gegen die der Patient eine Allergie zeigt.
Wie soll ein Zahnarzt/Allergologe aber das verträglichste Zahnmaterial vor einer Zahnrestauration für den Patienten finden? Die Antwort ist ganz einfach: Kein einziger Zahnarzt/Allergologe der Welt kann entscheiden, welches Zahnmaterial für den Patienten das verträglichste Material darstellt. Warum nicht? Zahnärzte/Allergologen können nicht wissen, was in Zahnmaterialien drinnen ist, geschweige denn, was freigesetzt wird. Dies ist aber die Expertise unseres Beratungszentrums, nämlich die vorhandene Datenbank, über die dann das verträglichste Material ausgewählt werden kann.

Verträglichkeit von Zahnmaterialien

Um die Verträglichkeit/Biokompatibiltät/Toxikologie von Zahnwerkstoffen ermitteln und vergleichen zu können werden bestimmte Tests durchgeführt:

Wir führen in unserem Zentrum sowohl den Epikutantest (Hauttest) als auch den Lymphozytentransformationstest (LTT; sog. Bluttest), den Basophilen-Degranulations-Test (BDT), den Titan-Stimulations-Test (TST) und weitere Tests durch:

WICHTIG: Für bestimmte freigesetzte Inhaltsstoffe aus Kunststoff-Zahnmaterialien wird allerdings der Epikutantest dem Lymphozytentransformationstest (und den anderen Tests) vorgezogen. Hier bietet der Epikutantest größere Sicherheiten bei der Auswahl des Zahnmaterials.

Lymphozytentransformationstest (LTT), Basophilen-Degranulations-Test (BDT),
Titan-Stimulations-Test (TST) u.a. Tests können für Metalle gemacht werden. Warum der LTT bei Kunststoffen oft falsche Ergebnisse liefert und welche biochemischen Reaktionen eine Rolle spielen (evtl. unspezifische Proteinbindungen), wird gerade auf universitärer Ebene intensiv erforscht. Nur über die vorhandene Datenbank der freigesetzten Inhaltsstoffe ist dann eine gezielte Auswahl des Zahnmaterials möglich und kann auch erst entschieden werden, welches Zahnmaterial raus muss und welches drinnen belassen werden kann. Dazu sind dann nur noch die Namen der Zahnmaterialien zu nennen, die verbaut worden sind (z.B. Hersteller- und Produktname). Auch bei der Namensfindung der schon verbauten Zahnmaterialien gibt das Zentrum umfassende Hilfestellung. Hier kann auch geklärt werden, welches Zahnmaterial der Patient tatsächlich gerade im Mund hat.

Durchführung des Allergietests:

Der Epikutantest dauert insgesamt 4 Tage (meist von Montag bis Donnerstag). Dabei werden die Allergene am ersten Tag mit einem speziellen Pflaster auf dem Rücken aufgetragen und über Nacht auf dem Rücken belassen. Alle Zahn-Allergene sind komplett in unserem Zentrum verfügbar. Am zweiten Tag wird das Pflaster mit den Allergenen wieder entfernt und zum ersten Mal abgelesen. Am dritten Tag wird zum zweiten Mal und am vierten Tag zum dritten Mal abgelesen. Als Minimum gelten 2 Ablesungen, als Maximum 3 Ablesungen innerhalb von 4 Tagen. Dann stehen alle Ergebnisse fest und alle Entscheidungen können getroffen werden.

Die Auftragungen geschehen immer in unserem Zentrum.

Es ist möglich den Test entweder komplett über 4 Tage in unserem Zentrum zu machen oder es werden nur die Allergene in unserem Zentrum aufgetragen und die Ablesungen (von Tag 2 bis 4) kann dann jeder heimatnahe Allergologe (= Hautarzt, HNO-Arzt, Kinderarzt, Pneumologe u.a.) machen. Hier wäre von Vorteil, einen Allergologen in der Heimat auszuwählen, den man kennt. Die Auftragung dauert ca. 20 Minuten, die Ablesungen dauern nur Sekunden und können so schnell durchgeführt werden. Der Aufenthalt in unserem Zentrum wäre dann nur für einen einzigen Tag mit Auftragung und Gespräch also insgesamt für ca. 1,5 Stunden.

Warum ist die Testung der fertigen (polymerisierten) Zahnmaterialien nicht möglich?

Die fertig polymerisierten Zahnmaterialien (wie Komposits, Kleber, Prothesen) oder die fertigen metallischen Materialien (wie Kronen, Legierungen, Brackets, Implantate etc.) können nicht direkt im Epikutan- oder im LTT-Test (oder den anderen Tests) getestet werden, weil viele Inhaltsstoffe erst nach einem halben Jahr freigesetzt werden und deshalb nach 4-tägiger Ablesung im Epikutantest oder im LTT-Test falsche Entscheidungen bei der Auswahl resultieren würden. Es müssen immer die freigesetzten Inhaltsstoffe getestet werden, diese reagieren innerhalb von 4 Tagen und können dann über die Datenbank zur Auswahl des verträglichsten Material führen. Das heißt, nur über diese Datenbank kann das verträglichste Zahnmaterial für die Patienten sicher ausgewählt werden.

Immer wieder wird dies sogar von Allergologen und von Zahnärzten falsch gemacht!

Viele Zahnärzte geben einfach den Patienten das fertige Zahnmaterial mit, das dann getestet werden soll. Patienten müssen zur Allergietestung kein Zahnmaterial mitbringen, weil es aus den erwähnten Gründen eben nicht zu testen ist!

Andere Ursachen von Beschwerden

Oft glauben auch Patienten, dass die Ursache ihrer unspezifischen („nicht sichtbaren“) Symptome (siehe oben) Zahnmaterialien sind. Heute ist es möglich, nicht nur das verträglichste Zahnmaterial für die Patienten vor einer Zahnrestauration auszuwählen, sondern auch zu ermitteln, ob die Ursache ihrer Symptome wirklich Zahnmaterialien sein können. Auch psychosomatische Beschwerden können klar von Zahnmaterialien-Unverträglichkeiten unterschieden werden.

Sollte das Ergebnis des Allergietests ergeben, dass die Ursache der Beschwerden eindeutig und wissenschaftlich belegt, nicht ein Zahnmaterial ist, dann werden die betroffenen Patienten weiter betreut. Es schließen sich weitere Vorgehensweisen an, die von Testungen von Umweltallergenen bis hin zur fachärztlichen psychosomatischen Betreuung reichen können. Hier werden weitere Therapiekonzepte vermittelt mit sehr großem Heilungserfolg.
WICHTIG: Patienten werden so lange betreut bis es Ihnen besser geht.

Reicht es aus, die Zahnfüllungen aus Metall durch Kunststoff- oder Keramikvarianten zu ersetzen?

Auf keinen Fall! Auch aus Legierungen, selbst aus hochgoldhaltigen Legierungen mit bis zu 80 % Goldanteil, können Substanzen/Metalle freigesetzt werden, die beim Menschen gesundheitliche Beschwerden hervorrufen können. Auch braucht man immer für die Eingliederungen von Legierungen oder Keramiken bestimmte Klebestoffe, sogenannte Adhäsive bzw. Zemente, aus denen aber wieder Substanzen freigesetzt werden können, die Probleme bereiten können. Alle diese freigesetzten Inhaltsstoffe sind aber in unserer Datenbank vorhanden und deshalb können auch metallische/keramische Zahnmaterialien mit den dazugehörigen Klebern sicher vor einer Restauration ausgewählt werden.

Auswahl des verträglichsten Zahnmaterials, wenn beim Patienten schon Allergien bestehen

Heute ist es möglich nach dieser Allergietestung für den betroffenen Patienten das für ihn verträglichste, d.h. optimalste Füllungsmaterial vor einer anstehenden Zahnrestauration auszuwählen. Patienten mit schon bestehenden Allergien haben eine höhere Wahrscheinlichkeit auch gegen Zahnmaterialien allergisch zu reagieren. Patienten mit Verdacht auf bestehende Allergien oder schon bestehenden Beschwerden gegenüber freisetzbaren Inhaltsstoffen aus Zahnmaterialien wird deshalb dringend empfohlen vor einer anstehenden Zahnrestauration das Internationale Beratungszentrum für die Verträglichkeit von Zahnmaterialien (BZVZ) aufzusuchen.

Durch diese Maßnahmen kann der betroffene Patient mögliche entstehende Nebenwirkungen vorbeugen und der behandelnde Zahnarzt kann die oft unangenehmen Streitigkeiten bei Auftreten von Unverträglichkeiten beim Patienten im Vorfeld aus dem Weg gehen. Patient und Zahnarzt befinden sich somit immer auf der sicheren Seite.

Wer kommt für die Kosten auf? Zahlt die Krankenkasse oder sind es Privatleistungen?

Die Allergietestung ist ein Kassenleistung. Die Beratung und die zu erstellenden Gutachten sind Privatleistungen und hängen von der Höhe des Aufwands ab.

Erstellung von Gutachten

Bei wissenschaftlich nachgewiesenen Unverträglichkeiten gegen Zahnmaterialien können auch die entsprechenden Gutachten erstellt werden. Hier ist zu beachten, dass nur Unverträglichkeiten bei Patienten von den Gremien anerkannt werden, wenn Sie mit wissenschaftlich anerkannten Methoden präzise identifiziert und dokumentiert worden sind. Nur wissenschaftlich fundierte Gutachten finden bei Krankenkassen und/oder bei Gerichtsprozessen Anerkennung.